Wirtschaftsweitblick

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Führungskompetenz: die Fähigkeiten, die im Alltag den Unterschied machen

Mann im Sakko erklärt stehend etwas am Besprechungstisch, vier Kollegen hören zu

Führungskompetenz zerfällt bei näherem Hinsehen in wenige konkrete Fähigkeiten, die sich benennen und üben lassen. Die Begriffe, die in Stellenanzeigen stehen, helfen dabei nicht weiter: Durchsetzungsstärke und Empathie sind Eigenschaften, keine Tätigkeiten. Dieser Beitrag beschreibt die Fähigkeiten, die im Alltag tatsächlich den Unterschied machen, und zeigt, woran sich ihr Fehlen erkennen lässt.

Inhalt dieses Beitrags
  1. Welche Fähigkeit wiegt am schwersten?
  2. Wie wird Rückmeldung wirksam gegeben?
  3. Wie werden Konflikte im Team geklärt?
  4. Wie werden Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen?
  5. Warum gehört Priorisierung zur Führungsaufgabe?
  6. Welche Rolle spielt die Führungsspanne?
  7. Wie lassen sich diese Fähigkeiten entwickeln?

Welche Fähigkeit wiegt am schwersten?

Befund: Delegation ist die Fähigkeit, deren Fehlen sich am schnellsten im Ergebnis zeigt.

Delegieren heißt, eine Aufgabe vollständig zu übergeben, einschließlich der Entscheidung darüber, wie sie gelöst wird. Wer die Aufgabe übergibt, aber den Lösungsweg vorschreibt, hat nicht delegiert, sondern angewiesen.

Erkennbar ist fehlende Delegation an einem überlasteten Vorgesetzten neben einem Team mit freier Kapazität. Die üblichen Begründungen lauten, es gehe schneller oder die Qualität stimme sonst nicht. Beides trifft beim ersten Mal zu und beim fünften nicht mehr. Die Fähigkeit besteht darin, den kurzfristigen Nachteil auszuhalten. Eng damit verbunden ist die zweite Fähigkeit.

Wie wird Rückmeldung wirksam gegeben?

Befund: Wirksam ist Rückmeldung, wenn sie zeitnah erfolgt und ein Verhalten beschreibt, keine Eigenschaft.

Die Beschreibung eines Verhaltens ist überprüfbar und veränderbar. Die Zuschreibung einer Eigenschaft ist weder das eine noch das andere und erzeugt Abwehr. Der Unterschied zwischen beidem entscheidet darüber, ob ein Gespräch etwas bewirkt.

Den größten Unterschied machen zwei Regeln. Rückmeldung erfolgt nah am Ereignis, nicht gesammelt im Jahresgespräch, weil der Vorgang sonst nicht mehr erinnert wird. Und sie erfolgt unter vier Augen, wenn sie kritisch ist. Die verbreitete Empfehlung, Kritik zwischen zwei Lobeinheiten zu verpacken, führt dazu, dass die Kritik überhört wird. Klar benennen wirkt besser, auch wenn es unangenehmer ist. Unangenehm wird es auch bei der dritten Fähigkeit.

Wie werden Konflikte im Team geklärt?

Befund: Ungeklärte Konflikte binden Arbeitszeit, lange bevor sie sichtbar eskalieren.

Die häufigste Reaktion auf einen Konflikt im Team ist Abwarten, verbunden mit der Hoffnung, er löse sich von selbst. Das geschieht selten. Stattdessen verlagert sich die Auseinandersetzung in Vermeidung, Informationszurückhaltung und Gespräche über Dritte.

Wirksam ist das frühe Gespräch mit beiden Beteiligten, getrennt und anschließend gemeinsam, mit dem Ziel einer Arbeitsvereinbarung statt einer Schuldklärung. Nicht jeder Konflikt ist lösbar, und die Führungskraft ist keine Mediatorin. Ihre Aufgabe ist, die Arbeitsfähigkeit herzustellen, nicht die Freundschaft. Diese Unterscheidung entlastet, und sie führt zur nächsten Fähigkeit.

Wie werden Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen?

Befund: Die häufigere Fehlentscheidung ist die aufgeschobene, nicht die falsche.

Führungsentscheidungen fallen fast immer bei unvollständiger Information. Wer auf Sicherheit wartet, entscheidet zu spät, und das Team arbeitet in der Zwischenzeit ohne Richtung weiter.

Hilfreich ist die Unterscheidung nach Umkehrbarkeit. Eine umkehrbare Entscheidung wird schnell getroffen und bei Bedarf korrigiert. Eine schwer umkehrbare rechtfertigt Zeit für Prüfung und Beteiligung. Wer beide Typen gleich behandelt, ist entweder zu langsam oder zu leichtfertig. Wichtig ist dabei, die Entscheidung zu begründen: Ein Team trägt auch unbeliebte Entscheidungen mit, wenn es den Grund kennt. Die fünfte Fähigkeit wird am seltensten genannt.

Warum gehört Priorisierung zur Führungsaufgabe?

Befund: Wer alles für wichtig erklärt, überlässt die Priorisierung dem Team.

In jedem Betrieb übersteigt die Menge möglicher Aufgaben die verfügbare Zeit. Wird diese Auswahl nicht getroffen, trifft sie faktisch jeder Mitarbeiter für sich, nach eigenen Kriterien und ohne Überblick über das Ganze.

Die Führungsaufgabe besteht deshalb darin, offen zu sagen, was in dieser Woche nicht erledigt wird. Das ist unbequemer als die Aufforderung, alles zu schaffen, aber es ist die ehrlichere und wirksamere Variante. Führungskräfte, die diese Entscheidung nach oben abgeben, hinterlassen ein Team im Dauerzustand der Überlastung. Dieselbe Klarheit gilt für die eigene Rolle.

Welche Rolle spielt die Führungsspanne?

Befund: Ab einer bestimmten Zahl direkt geführter Personen fällt die Qualität der Führung zwangsläufig.

Die Führungsspanne bezeichnet die Zahl der Menschen, die direkt an eine Führungskraft berichten. Je höher sie ist, desto weniger Zeit bleibt je Person. Ab einer Größe, die von Aufgabe und Selbstständigkeit des Teams abhängt, lässt sich individuelle Begleitung nicht mehr leisten.

Betriebe reagieren darauf oft erst, wenn die Fluktuation steigt. Dabei ist der Zusammenhang vorhersehbar: Wer fünfzehn Menschen führt und gleichzeitig fachlich mitarbeitet, kann mit keinem regelmäßig sprechen. Die Lösung liegt in der Struktur, nicht in der Person. Welche Folgen das für den Betrieb insgesamt hat, ordnet der Beitrag zur Verbesserung der Unternehmenskultur ein.

Wie lassen sich diese Fähigkeiten entwickeln?

Befund: Führungsfähigkeiten entstehen an realen Situationen mit Begleitung, nicht im Seminar allein.

Seminare vermitteln Modelle und Sprache. Die Fähigkeit entsteht, wenn eine konkrete Situation ansteht, eine Entscheidung getroffen wird und jemand anschließend mit der Führungskraft darauf schaut.

Wirksam sind deshalb regelmäßige Gespräche mit einer erfahrenen Person, die Reflexion konkreter Fälle statt allgemeiner Fragen und die bewusste Übernahme von Situationen, die man bisher vermieden hat. Wer neu in der Rolle ist, findet die typischen Anfangsfehler im Beitrag zum Weg in die erste Führungsrolle. Wie die eigene Wirkung in schwierigen Gesprächen gestaltet werden kann, behandelt der Beitrag zum souveränen Auftreten.