Wirtschaftsweitblick

Fachbeiträge zu Personal, Führung und Branchenlage im Mittelstand

Gehalt als Steuerfachwirt: welche Faktoren tatsächlich wirken

Lohn- und Gehaltsabrechnung mit Taschenrechner, Kugelschreiber und Euroscheinen

Das Gehalt eines Steuerfachwirts streut stärker als in den meisten kaufmännischen Berufen, und die Ursachen dafür sind benennbar: Kanzleigröße, Region, Mandantenstruktur und die Frage, ob die Qualifikation nach der Prüfung überhaupt genutzt wird. Dieser Beitrag ordnet die Einflussfaktoren, benennt die Hebel in der Verhandlung und sagt offen, wo belastbare Zahlen fehlen.

Inhalt dieses Beitrags
  1. Wovon hängt das Gehalt eines Steuerfachwirts ab?
  2. Welche Rolle spielt die Größe der Kanzlei?
  3. Wie stark wirkt die Region auf das Gehalt?
  4. Warum entscheidet die übertragene Verantwortung?
  5. Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Gehaltsverhandlung?
  6. Welche Bestandteile neben dem Grundgehalt sind verhandelbar?
  7. Wann ist ein Wechsel die bessere Entscheidung?

Wovon hängt das Gehalt eines Steuerfachwirts ab?

Befund: Belastbare, bundesweit vergleichbare Gehaltsstatistiken für diesen Beruf liegen nicht vor.

Der Beruf ist nicht tarifgebunden, Kanzleien verhandeln individuell, und veröffentlichte Werte stammen überwiegend aus Selbstauskünften auf Gehaltsportalen mit unbekannter Stichprobe. Eine seriöse Durchschnittsangabe lässt sich daraus nicht ableiten.

Belastbar sind dagegen die Faktoren, die das Gehalt bestimmen. Dazu zählen die Größe der Kanzlei, die Region, der Zuschnitt der betreuten Mandate, der Umfang der übertragenen Eigenverantwortung und die Frage, ob Mitarbeiterführung dazugehört. Wer verhandelt, argumentiert über diese Faktoren, nicht über einen Durchschnittswert aus dem Internet. Der erste Faktor wirkt dabei am deutlichsten.

Welche Rolle spielt die Größe der Kanzlei?

Befund: Größere Einheiten zahlen in der Regel mehr, verlangen dafür engere Spezialisierung.

In kleinen Kanzleien betreut ein Steuerfachwirt häufig den gesamten Vorgang eines Mandats, von der Buchführung bis zum Jahresabschluss. In größeren Einheiten ist die Arbeit stärker aufgeteilt, dafür sind die Vergütungsstrukturen formaler und meist höher.

Der Unterschied ist damit nicht nur ein Gehaltsunterschied, sondern einer im Tätigkeitszuschnitt. Wer fachliche Breite sucht, findet sie eher in der kleinen Einheit, wer Spezialisierung und formale Entwicklungswege sucht, eher in der großen. Beides ist eine Entscheidung über den Beruf, nicht nur über das Einkommen. Der zweite Faktor ist räumlich.

Wie stark wirkt die Region auf das Gehalt?

Befund: Regionale Unterschiede fallen in diesem Berufsfeld deutlich aus und folgen dem lokalen Preisniveau.

Kanzleien in Ballungsräumen zahlen höhere Gehälter, stehen aber auch in einem anderen Wettbewerb um Personal. Dem stehen höhere Lebenshaltungskosten gegenüber, insbesondere für Wohnraum.

Für eine belastbare Einschätzung lohnt deshalb nicht der Vergleich mit bundesweiten Angaben, sondern mit konkreten Stellenanzeigen aus der eigenen Region, die eine Gehaltsangabe enthalten. Diese Angaben sind zwar Angebotswerte, aber marktnäher als jede Statistik. Ein dritter Faktor wird in Verhandlungen regelmäßig übersehen.

Warum entscheidet die übertragene Verantwortung?

Befund: Entscheidend ist, ob die Qualifikation nach der Prüfung tatsächlich eingesetzt wird.

Die bestandene Prüfung allein verändert das Gehalt nicht. Wirksam wird sie, wenn sich die Aufgaben ändern: eigenverantwortliche Mandatsbetreuung, Jahresabschlüsse, steuerliche Beurteilung, Anleitung von Auszubildenden oder der direkte Mandantenkontakt.

Daraus folgt für die Verhandlung ein konkreter Ansatz: nicht den Abschluss anführen, sondern die Aufgaben, die seither übernommen wurden, und die Entlastung, die daraus für die Kanzleileitung entstanden ist. Wer belegen kann, wie viele Mandate er eigenverantwortlich führt, verhandelt über eine messbare Größe statt über einen Titel. Dieselbe Logik gilt für die Frage nach dem Zeitpunkt.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Gehaltsverhandlung?

Befund: Der Zeitpunkt liegt nach der Übernahme neuer Aufgaben, nicht nach der bestandenen Prüfung.

Unmittelbar nach der Prüfung ist die Leistung erbracht, aber noch nicht verwertet. Die Kanzlei hat zu diesem Zeitpunkt noch keinen Nutzen. Erst drei bis sechs Monate später, nach der Übernahme eigenverantwortlicher Mandate, liegt dieser Nutzen vor und lässt sich benennen.

Ungünstig sind Termine in der Abgabesaison, weil dort niemand Kapazität für strukturelle Gespräche hat. Günstig sind die ruhigeren Monate und der Zeitraum rund um die Jahresplanung. Wer eine Vereinbarung über die Entwicklung bereits vor der Fortbildung getroffen hat, erspart sich diese Verhandlung weitgehend, wie der Beitrag zur Weiterbildung zum Steuerfachwirt beschreibt.

Welche Bestandteile neben dem Grundgehalt sind verhandelbar?

Befund: Bei festgefahrener Gehaltsfrage sind Arbeitszeit und Fortbildung die wirksameren Hebel.

Verhandelbar sind neben dem Grundgehalt die Wochenarbeitszeit, Arbeit von zu Hause, zusätzliche Urlaubstage, die Übernahme weiterer Fortbildungen und die betriebliche Altersversorgung.

In kleinen Kanzleien mit enger Kostenstruktur sind diese Punkte häufig leichter zu bewegen als das Grundgehalt, weil sie die laufende Kostenbasis weniger belasten. Für viele Beschäftigte mit Betreuungsaufgaben sind Arbeitszeit und Ortsflexibilität ohnehin der höhere Wert. Wer beides verhandelt, sollte es in einem Gespräch tun und nicht nacheinander. Eine Grenze bleibt dennoch bestehen.

Wann ist ein Wechsel die bessere Entscheidung?

Befund: Bleibt die Vergütung über Jahre unverändert, obwohl die Verantwortung gewachsen ist, trägt der Wechsel mehr als jede weitere Verhandlung.

Ein verlässliches Zeichen ist die wiederholte Vertröstung ohne konkreten Termin und ohne benannte Bedingung. Wo keine Bedingung genannt wird, unter der sich etwas ändert, ist die Antwort faktisch ein Nein.

Vor dem Wechsel lohnt eine nüchterne Prüfung dessen, was verloren geht: eingespielte Mandatsbeziehungen, Vertrauen der Kanzleileitung und der Verzicht auf Einarbeitungszeit. Diese Werte sind real, aber endlich. Der Bewerbermarkt in diesem Berufsfeld ist eng, wie der Beitrag zur Mitarbeitergewinnung in der Steuerkanzlei zeigt, was die Verhandlungsposition qualifizierter Fachkräfte deutlich stärkt.